Wenn „unsichtbare“ Korrosion zur Katastrophe wird
Genua, Morandi-Brücke, 2018: Während eines Starkregens stürzte ein Abschnitt des legendären, 1,18 km langen Viadukts ein. 43 Menschen verloren ihr Leben. Es war nicht irgendeine Brücke, sondern eine wichtige Verkehrsader, über die täglich bis zu 70.000 Fahrzeuge fuhren. Die spezielle Bauweise – in Beton eingegossene Tragseile – galt einst als Symbol der Ingenieurskunst Genuas. Doch die Ermittlungen ergaben: Die Stahllitzen in den „betonierten“ Seilen hatten über Jahre hinweg Querschnitt durch Korrosion verloren. Normale Inspektionen erkannten die kritische Schwächung nicht, und die geschlossene Konstruktion verhinderte tiefere Diagnosen. Das Ergebnis: plötzlicher Einsturz und Milliardenschäden.
Dies ist kein Einzelfall. Ähnliche verdeckte Schäden – Korrosion unter Beschichtungen oder Ermüdungsrisse in Schweißnähten – treten in der Luftfahrt, im Brückenbau, in Rohrleitungen und im Bahnverkehr auf.
Warum SSEGAI
Kein Wunder, dass unsere Entwicklung auf der Hannover Messe 2025 das Interesse der Deutschen Bahn weckte. SSEGAI ist ein neuer Ansatz zur Überwachung des Zustands metallischer Strukturen. Die Basis: magnetische Induktionsspektroskopie – Analyse der harmonischen Antwort auf Anregung ohne Fourier-Transformation – kombiniert mit KI-Algorithmen.
Die Technologie ermöglicht es:
- Spannungsverteilungen und frühe Ermüdungsanzeichen zu erkennen – lange bevor sichtbare Risse entstehen;
- sensibel auf mikrostrukturelle Veränderungen zu reagieren;
- nicht nur die Oberfläche, sondern auch tiefere Bereiche innerhalb der physikalischen Eindringtiefe zu erfassen, wo herkömmliche Wirbelstrommethoden versagen.
Heute SSEGAI wird bereits unter realitätsnahen Bedingungen getestet. Pilotprojekte laufen mit General Electric, TEC Eurolab und ABF LT – nicht im Labor, sondern dort, wo Zuverlässigkeit entscheidend ist. Auf der Hannover Messe 2025 wurde unsere Anlage auch von vielen anderen Unternehmen aufmerksam begutachtet.
Für uns ist es mehr als nur eine Testreihe – es ist der Beweis, dass man Gefahren erkennen kann, solange sie noch „leise“ sind. Und vielleicht gelingt es so eines Tages, eine Katastrophe zu verhindern, bevor sie zur Schlagzeile wird.
